Der blutrote Bodensee

Der Bodensee ist eines der schönsten, attraktivsten und beliebtesten Feriengebiete Deutschlands. Doch er hat einen dunklen Hinterhof: Um den See ist in den vergangenen 100 Jahren eines der größten Ballungszentren an Rüstungsbetrieben in Europa entstanden.

Wie die Rüstungsindustrie am Bodensee entstand

Mit dem Militär Graf Zeppelin und dem 1.Weltkrieg begann die Rüstungsproduktion in Friedrichshafen am Bodensee. 88 Militär-Zeppeline warfen 200 Tonnen Bomben zwischen 1914 und 1918 auf europäische Städte. Aus Zeppelin entstanden neue Firmen wie Maybach (Motoren) -heute Rolls-Royce Power Systems/MTU-, ZF-Zahnradfabrik Friedrichshafen (Getriebe) und Dornier (Flugzeuge) -heute Airbus Defence & Space. Der Versailler Vertrag brachte eine kurze Unterbrechung. Dornier produzierte trotzdem in Italien, Spanien und der Schweiz weiter. Das Nazi-Regime brachte nach 1933 mit seiner gewaltigen Aufrüstung für den 2.Weltkrieg Friedrichshafen einen zweiten enormen Aufschwung. Mit Flugzeugen, Motoren, Getrieben, etc. wurde die Region zu einem der kriegswichtigsten Standorte. Das musste die Bevölkerung teuer bezahlen. Die Rüstungsstadt war zu Kriegsende zur Ruinenstadt zerbombt. Tausende Einheimische, Fremd- und Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge waren tot, obdach- und/oder heimatlos.

Aus der Geschichte nichts gelernt

Haben die Menschen daraus gelernt? Nein! Mit der Wiederaufrüstung Westdeutschlands in den 1950er Jahren eilte das Personal zurück. Schnell erstanden neue Strukturen aus der Asche der alten Betriebe. “Business as usual“! Heute sind die Firmen mächtiger, effizienter, ihre Produkte tödlicher denn je. Ihre Mitarbeiter erdenken, konstruieren und bauen geschichtsvergessen die nächsten Systeme und Maschinen für die neuen Kriege. Sie freuen sich ihrer gut bezahlten „sicheren“ Jobs und der hohen Lebensqualität der Region. Sie sorgen für ihre Familien, bauen ihre Häuser und engagieren sich in Gesellschaft und Kirchen. Und die Gesellschaft und Kirchen pflegen gute Beziehungen zu den Rüstungsbetrieben. Profitieren sie doch von hohen Löhnen, Steuern und großzügigen Sponsoring: “Life as usual“. Wer denkt da schon an die Folgen seines Tuns, nach Tod und Zerstörung und fragt nach Sinn, Moral und Schuld?

Was versprachen die Deutschen 1945? „Nie wieder Waffen, nie wieder Krieg!“